Wie der Steinbock zu seiner Torte kam

Er war praktisch ausgerottet, bis in Pontresina die erste erfolgreiche Wiederansiedlung gelang. Für die Konditorei Kochendörfer Grund genug, um dem Steinbock eine feine Torte zu widmen.

Der Name Albris und der Steinbock sind eng miteinander verbunden. Denn an den Hängen des Piz Albris, hoch über Pontresina, glückte in den 1920er-Jahren die erste erfolgreiche Wiederansiedlung des Steinbocks in der Schweiz. Heute umfasst die Albris-Kolonie rund 1800 Tiere und ist damit eine der größten Steinbock-Kolonien im Alpenraum.

Es gibt kaum eine andere Gegend, wo man den «König der Alpen» so gut beobachten kann wie in Pontresina. Zahlreiche Steinböcke leben in den Bergen rund um das beliebte Wandergebiet Alp Languard-Muottas Muragl. Und im Frühjahr wagt sich das Steinwild sogar bis ins Dorf hinunter, wo man es ohne große Mühe bestaunen kann. Besucher sollten aber stets Abstand zu den wenig scheuen Tieren halten.

Hotel Albris, Wie der Steinbock zu seiner Torte kam

Haselnüsse und Kastanien
Auch Claudio Kochendörfer, Direktor des Hotel Albris und Vater von drei Kindern, ist fasziniert von den mächtigen aber sanftmütigen Steinböcken: «Zusammen mit der Familie auf Beobachtungstour zu gehen, ist jedes Jahr ein Highlight. Die Kinder sind vor allem von den Kletterkünsten der Kitze begeistert.» Während einer dieser Steinbockbegegnungen kam dem Inhaber einer Konditorei die Idee, dem Bündner Wappentier eine Torte zu widmen. Die passenden Zutaten fielen ihm sogleich ein: «Es muss etwas mit Haselnüssen und Kastanien sein.»

Die Kreation von Torten hat in der Familie Kochendörfer Tradition. Claudios Großvater, Oscar Kochendörfer senior, erfand vor bald 90 Jahren die Engadiner Torte und damit einen wahren Kassenschlager. Die mehrschichtige Torte aus Mürbeteigböden, Butter-Mandelcrème, Kirschschnaps und Florentinerdeckel ist eine der beliebtesten Spezialitäten des Engadins und weit über das Tal bekannt. Die Konditorei Kochendörfer verkauft rund 22’000 Stück pro Jahr.

Hotel Albris, Wie der Steinbock zu seiner Torte kam

Das Tüfteln hat sich gelohnt
Ob die Steinbocktorte aus Japonaisboden, Haselnusscrème, Kastanienbiskuit, Haselnussschnaps und Florentinerdeckel dereinst auch so erfolgreich wird? Claudio Kochendörfer hofft es, bemerkt aber, dass es gar nicht so einfach war, eine neue Torte zu kreieren. Er und seine Konditormeister mussten lange tüfteln, bis die Pontresiner Steinbocktorte den hohen Ansprüchen von Kochendörfer’s entsprach. «Die Torte muss nicht nur gut schmecken, sondern auch mindestens zwei Wochen lang haltbar und stabil für den Transport und Versand sein», so der Fachmann. Das viele Probieren hat sich gelohnt: Die Steinbocktorte schmeckt leicht und nussig, hat eine dezente Schnapsnote und ist knusp­rig im Biss. Am besten isst man sie kühl serviert. Seit dem Herbst 2016 liegt sie in den Verkaufsregalen und findet immer mehr Liebhaber.

Beinahe wurde er ausgerottet
Weil man dem Horn des Steinbocks Heilkräfte nachsagte, wurde er unerbittlich gejagt, bis Ende des 19. Jahrhunderts alle Steinböcke aus dem Alpenraum verschwunden waren. Nur der italienische König hatte noch einige Tiere in seinem Jagdgebiet im Gran Paradiso. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang es Wilderern, ihm einige Kitze zu entwenden und in die Schweiz zu schmuggeln. Alle heute in den Alpen lebenden Steinböcke stammen von diesen Tieren ab. Inzwischen wird der Steinbock wieder gejagt, aber nur unter strengen Auflagen. Angeblich heilende Steinbockpräparte werden Gott sei Dank nicht mehr hergestellt – dafür die feine Pontresiner Steinbocktorte.

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