Annina Walther ist 24 Jahre jung und bereits die neue Chefin der Konditorei Kochendörfer. Das Hotel Albris kennt sie von klein auf, da sie direkt gegenüber aufgewachsen ist.
Annina Gioia Walther hat einen konzentrierten Blick, ein strahlendes Lächeln und einen eleganten, schnellen Gang. Sie wirkt zierlich, dennoch strahlt sie eine natürliche Präsenz aus.
Ihre Mitarbeitenden, die zum Teil schon viel länger im Kochendörfer’s arbeiten, schätzen die junge Chefin. Die Führungskompetenz hat sie wohl von zu Hause mitbekommen. Ihre Eltern, Anne-Rose und Thomas Walther, führen erfolgreich die Hotels Walther und Steinbock auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Seit Juni 2025 trägt Annina die Verantwortung in der Konditorei Kochendörfer. Zu ihrem Team gehören sechs Konditorinnen und Konditoren, darunter zwei Lernende.
Annina, warum bist du Konditorin geworden?
Ich backe, seit ich mich erinnern kann. Schon als kleines Kind liebte ich es, Teig zu kneten und Guetzli auszustechen. Darum wollte ich schon immer Konditorin werden. Über eine andere Berufswahl habe ich gar nie ernsthaft nachgedacht. Es war einfach klar, dass ich mich für diesen Weg entscheide. Und ich habe viel Freude an meinem Beruf.
Erst vor fünf Jahren hast du die Lehre im Kochendörfer’s erfolgreich abgeschlossen. Nun bist du die neue Chefin. Wie fühlt sich das an?
Neu ist vor allem die administrative Arbeit, die natürlich zugenommen hat: Dienstpläne schreiben, Bestellungen aufgeben und so weiter. Die meiste Zeit bin ich aber in der Backstube, und dort läuft es wie gehabt, denn wir sind ein eingespieltes Team. Anweisungen zu geben, fällt mir nicht schwer. Das habe ich schon vorher getan, da meine Vorgängerin in einem 60%-Pensum gearbeitet hat und somit nicht immer vor Ort war. Ich arbeite gerne im Team und versuche, eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen.
Wie ist es, in der frisch renovierten Backstube zu arbeiten?
Super! Es wurde viel investiert und verbessert. Die Laufwege sind nun klar definiert, das schafft Ruhe. Wir haben auch mehr Tageslicht und durch die neue Lüftung sind die Temperaturen viel angenehmer. Das alles trägt natürlich auch zu einer guten Atmosphäre bei. Nicht zuletzt sind die neuen Ofenanlagen top. Früher mussten wir teilweise noch Bleche drehen, um alles schön gleichmässig zu backen.
Was gefällt dir an der Arbeit als Konditorin?
Die Arbeit ist vielseitig und kreativ. Wir haben Saisons und verschiedene Themen, die wir übers Jahr bespielen können. Und ich mag Spezialaufträge wie Hochzeitstorten, weil ich leidenschaftlich gerne dekoriere. Als ich noch in der Lehre war, habe ich manchmal eigene Aufträge ausgeführt. Mein Vater hatte allerdings weniger Freude, als ich zu Hause den ganzen Kühlschrank ausräumte, um Platz für meine Kreationen zu machen.
Wie war es, quasi im Hotel aufzuwachsen?
Für mich und meine zwei Geschwister war es normal – das Walther und Steinbock sind unser Zuhause. Als Kinder halfen wir mit und gingen überall ein und aus, auch in der Küche, wo ich gerne etwas Süsses stibitzt habe. Die Abläufe in der Küche haben mich schon früh fasziniert.
Backst du auch fürs Hotel Walther?
Das Hotel Walther hat natürlich eine eigene Patisserie-Abteilung. Doch hin und wieder werden Hochzeitstorten bei uns im Kochendörfer’s bestellt. Das hat aber nichts mit meiner Person zu tun, das war schon immer so.
Wo hast du Erfahrungen neben dem Kochendörfer’s gesammelt?
Nach der Lehre arbeitete ich in einer bekannten Konditorei in St. Moritz und in der Patisserie eines grossen Hotels in Pontresina. Am spannendsten fand ich jedoch meine Weiterbildung in den USA. Drei Monate war ich auf der bekannten Pastry Academy by Amaury Guichon in Las Vegas. Das war sehr inspirierend und ich habe einiges dazugelernt.
Wie zeigt sich das Amerikanische im Kochendörfer-Angebot?
(Lacht.) Nicht offensichtlich. Aber ich versuche Neues und Kreatives einzubringen wie zum Beispiel Flat Croissants oder Pekannuss-Tartelettes. Natürlich lebt eine Konditorei wie das Kochendörfer’s von der Tradition und den Klassikern wie der Engadiner Torte oder der Bündner Nusstorte. Etwas Abwechslung darf trotzdem sein. Ich schätze es sehr, dass ich viel Freiraum von Claudio und Stephanie Kochendörfer erhalte.
Linzer Sterne by Annina
Unsere Chef-Konditorin teilt ein Weihnachtsguetzli-Rezept, das sie speziell für ihren Grossvater Christian Walther kreiert hat.
Zimtsterne lieben alle. Linzertorte auch. Anninas Linzer Sterne sind eine Mischung aus beidem. Probieren Sie dieses einfache Rezept und überraschen Sie damit Ihre Liebsten.
Das braucht’s
500 g Mehl
300 g Haselnüsse, gemahlen
200 g Zucker
½ Teelöffel Salz und Zimt nach Belieben
400 g Butter, kalt
2 mittelgrosse Eier (110 g)
Himbeerkonfitüre und Puderzucker
Und so geht’s
Zuerst die trockenen Zutaten in eine Schüssel geben, dann Butter in kleinen Stücken und Eier hinzufügen, alles kurz zu einem Teig vermengen und kühl stellen (min. 1 Stunde). Den Teig ausrollen, etwa 4 bis 5 mm dick, und Sterne oder beliebige Formen ausstechen. Im vorgeheizten Ofen bei 180°C in der Ofenmitte für 11 bis 15 Minuten backen. Vollständig abkühlen lassen. Je einen Stern mit Himbeerkonfitüre bestreichen und mit einem zweiten Stern (evtl. mit Loch) belegen. Zum Schluss mit Puderzucker bestäuben. Tipp: Vor dem Ausrollen den Teig 5 Minuten bei Raumtemperatur stehen lassen.